Buchtipp: „Die Kunst, über Geld nachzudenken“

Aktualisiert: 23. Feb.


„Die Kunst, über Geld nachzudenken“ von André Kostolany ist ein großartiges Standardwerk für jeden Anleger. Auch wenn du selbst nie zum Spekulanten werden willst, ermöglichen Kostolanys Erfahrungen einen tiefen Einblick in die Anatomie der Börse und ihrer Akteure. Es schafft ein besseres Verständnis für Zusammenhänge und lehrt uns, aus der Vergangenheit zu lernen.


"In der Spekulation gemachtes Geld ist Schmerzensgeld: Erst kommen die Schmerzen und dann das Geld."

Kostolany wirkt bodenständig, er verhehlt nicht, dass ein bisschen Glück immer dazugehört. Er gibt nie vor, den Markt nach Belieben zu schlagen und warnt vor jedem, der das behauptet. Er lehnt Hokuspokus ebenso ab wie die Chart-Technik und verteidigt seine Überzeugungen offensiv. Kostolany schafft es, dass er nie zu technisch zu wird. Seine Bemerkungen basieren auf vielen Anekdoten aus seinem Leben. Mit Witz und Ironie bringt er dem Leser die Welt der Börse ein Stück näher.


"Die Börse hängt nur davon ab, ob es mehr Aktien gibt als Idioten - oder umgekehrt."

André Kostolany wurde in Ungarn geboren und Budapest schien sein ganzes Leben lang einen besonderen Platz in seinem Herzen einzunehmen. Seine Eltern schickten ihn früh nach Paris. Dort sollte er von einem Freund der Familie alles über die Börse lernen. Und in der Stadt der Liebe scheint Kostolany seine Liebe zum Geld und zur Spekulation entdeckt zu haben. Allerdings betont er immer wieder, dass ihn der monetäre Aspekt der Spekulation eigentlich weniger interessiert. Geld war für ihn eher der Weg zu einem unabhängigen Leben. Er schöpfte jedoch wahre Freude aus der Tatsache, dass er Recht hatte. Wetten gegen den Trend und den Markt machten ihm am meisten Spaß – und wenn er recht hatte, brachte es ihm viel Geld ein.


„Der Börsenkurs verhält sich zur Wirtschaft wie der Hund zum Spaziergänger. Er läuft voraus und kommt aber immer wieder zurück.“

Kostolany weist den Akteuren an der Börse unterschiedliche Rollen zu. Spekulanten haben heute vielleicht kein gutes Ansehen in der Öffentlichkeit, aber Kostolany bezeichnet sie als "langfristige Strategen". Ein Spekulant reagiert per Definition nicht auf jede noch so kleine Neuigkeit. Er ist kein Zocker, der auf einen kurzfristigen Kurssprung setzt. Der Spekulant bedient sich der Kunst, über Zusammenhänge nachzudenken und daraus Schlüsse zu ziehen. Ein guter Spekulant lernt zwischen den Zeilen zu lesen. Ebenso ist sich ein erfolgreicher Spekulant des Einflusses der Psychologie der Marktteilnehmer bewusst. Geschickt versucht er, das Zusammenspiel von Fakten und Emotionen auszunutzen. Trotzdem vergleicht Kostolany die Spekulation mit einer gefährlichen Seereise zwischen Glück und Bankrott. Ein seetüchtiges Boot (Geld, Geduld und Nerven) und ein geübter Steuermann sind notwendig, um das gewünschte Ziel zu erreichen. Eine weitere Akteursgruppe sind die Anleger, zu denen ich mich auch zählen würde. Kostolany bezeichnet sie als „Marathonläufer der Börse“. Sie sind das Gegenstück zu Glücksspielern und Kostolany sieht in ihnen langfristig die Gewinner. Weil sie nicht kurzfristig kaufen und verkaufen, sondern Aktien langfristig halten, waren sie in der Vergangenheit immer gut aufgestellt. Auch der Altmeister der Spekulation wechselte in seinen späteren Jahren ins Anlegerlager.


„Wer viel Geld hat, der kann spekulieren, wer wenig hat, darf nicht spekulieren, und wer überhaupt kein Geld hat, der muss spekulieren.“

Das Ei des Kostolany


Kostolanys Ei ist ein Modell, um die Anatomie der Höhen und Tiefen des Marktes besser zu verstehen. Für Kostolany bewegt sich der Markt immer um dieses imaginäre Ei, mit Bullen- (steigende Kurse) und Bärenmärkte (fallende Kurse), die sich gegenseitig stets die Klinke in die Hand geben. Die Phasen können jeweils unterschiedlich lang dauern, bleiben aber im Grunde immer gleich. Bullen- und Bärenmärkte durchlaufen jeweils drei Phasen:


Hausse:

  • Phase 1 – Korrekturphase (geringe Umsätze an der Börse, geringe Anzahl an Anteilseignern) -à am besten hier kaufen

  • Phase 2 - Förderphase (Umsatz und Aktionärszahl steigen) à hier aufhören und abwarten

  • Phase 3 – Phase der Übertreibung (Euphorie, Kurse explodieren) à Verkauf am höchsten Punkt.

Baisse:

  • Phase 1 - Korrekturphase (kleiner Umsatz, Zahl der Anteilseigner sinkt) à Verkaufen

  • Phase 2 – Unterstützungsphase (Umsatzsteigerung, Zahl der Anteilseigner sinkt schneller) à abwarten

  • Phase 3 – Übertreibungsphase (große Verkäufe, Preisverfall) à Kaufen

Das Modell verdeutlicht, das sich ständig wiederholende Auf und Ab an der Börse. Es klingt logisch, jedoch ist es zumal schwierig herauszufinden, in welcher Phase man sich gerade befindet.

  • Herausgeber: Ullstein Taschenbuch; 11. Edition (8. April 2015)

  • Sprache: Deutsch

  • Taschenbuch: 240 Seiten

  • ISBN-10:‎ 3548375901

  • ISBN-13: 978-3548375908


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