Buchtipp: „The Art of Doing Twice the Work in Half the Time“

Aktualisiert: 23. Feb.

Der Erfinder der agilen Arbeitsweise „Scrum“ Jeff Sutherland erläutert in seinem Buch „The Art of Doing Twice the Work in Half the Time“ wie es zu dieser Arbeitsweise kam. Für mich war das eine absolute Pflichtlektüre, da ich mich entschlossen habe, genau auf diese agile und digitale Arbeitsweise in meinem Unternehmen zu setzen.


Der Autor zeigt dabei, wie er aus den ersten beruflichen Stationen gewisse Denkweisen und organisatorische Herangehensweisen für „Scrum“ (kommt vom Rugby und mit dieser Aktion wird das Spiel nach Fouls neu gestartet) genutzt hat. Sutherland war als junger Mann als Pilot im Vietnamkrieg im Einsatz. Dort kam er auch zum ersten Mal mit Taktiken in Berührung, die ihn später prägten. Beobachten, orientieren, entscheiden und handeln – diese militärische Taktik unterstützt die Stärken von einzelnen Einheiten. Diese können damit selbst entscheiden was sie für Aktivitäten setzen um erfolgreich zu werden.


Nach seiner Militärzeit studierte Sutherland u.a. Statistik und Biologie, rollte in Amerika erfolgreich ein Bankomat-System aus. Dabei wandte er die heute als „Scrum“ bekannte Arbeitsweise an, wie zB kleine agile Teams, die im permanenten Austausch sind und Feedback bekommen und Bonuszahlungen die auf Gruppenerfolg basieren.


Für viele Menschen klingt „Scrum“ aber unrealistisch oder in der Praxis kaum umsetzbar. Sutherland verweist dabei auf den „PDCA Kreislauf“, PDCA steht für „Plan, Do, Check, Act“. Anhand einer Papierfliegerproduktion in einer Gruppenarbeit kann man sehr rasch die Vorteile von diesem Kreislauf erkennen. Dadurch wird man signifikant besser, vermeidet immer mehr Fehler und ist erfolgreicher. Egal ob man Papierflieger faltet oder Spaceshuttles baut.

Im Buch fokussiert sich Sutherland pro Kapitel auf einen besonderen Aspekt von Scrum. Für diese Arbeitsweise natürlich essentiell sind die Teams. Sutherland präsentiert, Studien die zeigen, dass erfolgreiche Teams mehr als 1000 mal so produktiv sein können als erfolglose Einheiten. Vergleicht man das mit einzelnen Mitarbeitern, so sind diese nur um einen Faktor 10 mal effektiver.


Zwei japanische Professoren beschreiben, welche Charakteristika "Scrum"-Teams in den erfolgreichsten Firmen der Welt hatten:


Transzendent: Sie haben einen Sinn für ein Ziel, das über das Gewöhnliche hinausgeht. Dieses selbstverwirklichte Ziel ermöglicht es ihnen Außergewöhnliches zu erreichen.

Autonom: Das Team organisiert sich selbst und managt sich selbst.

Interdisziplinär: Die Teams haben alle für das jeweilige Projekt benötigten Fähigkeiten.


Ganz wichtig ist auch die zeitliche Komponente. Sutherland hat sich bei einen seiner beruflichen Stationen von einem Labor „Sprints“ (damit suggerierten sie Intensität) abgeschaut. Die Teams vom Labor präsentierten alle drei Wochen ihre Fortschritte. Dadurch bekamen sie sehr rasch Feedback und konnten darauf reagieren. Neben den „Sprints“ gibt es die Daily Stand-Ups. Hier werden folgende Fragen beantwortet:

  • Was hast du gestern getan, um dem Team zu helfen, den Sprint zu beenden?

  • Was wirst du heute tun, um dem Team zu helfen, den Sprint zu beenden?

  • Welche Hindernisse stellen sich dem Team in den Weg?

In den 1990-Jahren wurde Sutherland vom Gründer von OpenView Venture Partners Scott Maxwell zu einem Meeting eingeladen. Maxwell schilderte dem Scrum-Spezialisten, dass er in den Firmen, in denen er investiert war und die Scrum nutzten, beobachtete, dass diese deutlich produktiver waren. Er zeichnete folgenden Chart:

„Maxwell Kurve“: Der Höhepunkt der Produktivität mit Scrum fällt nach knapp 40 Wochenstunden ab. In der klassischen Wasserfall-Methode erreicht man diese Werte überhaupt nicht. Quelle Chart: https://www.scruminc.com/work-less-get-more-done-2/


Sehr wichtig ist auch eine realistische Planung von Projekten – und zwar durch das Team selber ohne Einfluss von Managern. Die Teammitglieder beurteilen bei Scrum den Aufwand nach Fibonnaci-Zahlen und nicht nach Stunden oder anderen Prioritäten. Liegen Teammitglieder dabei weit auseinander und es wird kein Konsens gefunden, diskutieren die beiden Mitglieder, die am weitesten auseinander liegen, über ihre Einschätzung. Das führt meistens sehr schnell zu einer Lösung. Warum Fibonnaci? Je größer die Zahl ist, desto weiter liegen sie auseinander und grenzen sich ab. So vermeidet man Diskussionen ob „etwas“ eine Zwölf oder eine Dreizehn ist.


Ein weiterer Erfolgsfaktor von Scrum sind die Zufriedenheit oder die Glücksgefühle. Hier ist der Ansatz ganz entscheidend, dass Glücksgefühle zum Erfolg führen und nicht umgekehrt. Für den Buchautor ist dieser Faktor sogar so wichtig, dass man diesen messen sollte. So kann man rasch Rückschlüsse ziehen, wie sich das Team entwickeln wird und rasch reagieren.


Ich habe die englische Ausgabe gelesen und konnte sehr viel vom Buch lernen. Das Buch ist sehr interessant, kurzweilig geschrieben und bietet viele Grundkenntnisse. Ich kann es absolut weiterempfehlen.

  • Herausgeber: Random House Business; 1. Edition (27. August 2015)

  • Sprache: Englisch

  • Taschenbuch: ‎ 256 Seiten

  • ISBN-10: ‎ 1847941109

  • ISBN-13: ‎ 978-1847941107

  • Abmessungen: ‎ 12.9 x 1.6 x 19.8 cm

Buch bei Amazon