Leadership in Zeiten der Corona-Krise




Egal ob erste oder zweite Welle, flächendeckender oder regionaler (indirekter) Lockdown – wir alle haben gerade mit den primären Auswirkungen der Pandemie zu kämpfen und werden noch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, von den sekundären Folgen der Pandemie und deren Auswirkungen auf Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft betroffen sein und an der Bewältigung arbeiten müssen.


Beim Bewältigen der Corona-Krise im wirtschaftlichen Sinn denken die meisten Unternehmer primär an eines: „Wie kann ich schnell meine Kosten senken?“ und „Wie baue ich am effektivsten Personal ab?“.


Ich behaupte nicht, dass es unwichtig wäre, seine Kosten im Griff zu haben, kann jedoch nicht nachvollziehen, warum viele Manager erst in Krisenzeiten beginnen über ihre Kostenstruktur und deren Notwendigkeit nachzudenken. Klar gibt es auch in der jetzigen Krise Branchen, welchen Aufträge zu einem erheblichen Teil oder sogar vollständig weggebrochen sind und nun keine Auslastung für die vorhandene Belegschaft haben. Mitarbeiter haben jedoch einen sehr hohen Grad an Identifikation und Solidarität mit ihrem Arbeitgeber, zeigen sich bereit persönlichen „Schmerz“ und Verzicht über sich ergehen zu lassen und tragen unangenehme Maßnahmen mit - soweit sie auch in schwierigen Zeiten richtig geführt werden.


In den nachfolgenden Absätzen erläutere ich eine Kommunikationsstrategie und eine Arbeitsorganisation, die sich für mich in Krisenzeiten bewährt hat und zeige zum Schluss auf, wie man mit diesen Maßnahmen zwar nicht die Kosten senkt, den kurzfristigen und den langfristigen Output jedoch wesentlich erhöht und somit ein besseres Ergebnis einfährt.


Krisen bringen Verunsicherung, Orientierungslosigkeit und Angst mit sich. Alles Gefühle und Verhaltensweisen, die nachvollziehbar sind und die Gesellschaft seit hunderttausenden Jahren begleiten. Leadership, also die Führungsphilosophie, welche durch Entschlossenheit, Rhetorik- und Kommunikationsfähigkeit geprägt und von emotionaler Intelligenz, also der Fähigkeit, eigene und fremde Gefühle (korrekt) wahrzunehmen, zu verstehen und zu beeinflussen, begleitet wird, war beim Angriff eines feindlichen Stammes auf das altertümliche Dorf genauso wichtig, wie auf einem Dampfer, der einen Eisberg gerammt hatte.


Es geht stets darum, den Gefühlen und Ängsten der geführten Personen entgegenzuwirken und Ihnen Sicherheit, Richtung, Wertschätzung und Klarheit zu vermitteln. Je stärker die Mitarbeiter diese Verhaltensweisen erleben, desto höher sind Engagement und Leistungsbereitschaft – und damit die wahrgenommene Arbeitgeberattraktivität. Dies wird im Übrigen auch durch eine aktuelle Studie der deutschen Employer Branding Akademie (DEBA) untermauert.


Regelmäßige Informationen und klare Ansagen sind in Krisenzeiten der Schlüssel zum Erfolg! Die psychologischen Auswirkungen der Unsicherheit und Angst werden nämlich umso größer, je weniger die geführten Mitarbeiter die Möglichkeit haben, sich (persönlich) mit Kollegen oder anderen Personen ihres Vertrauens auszutauschen, wie z.B. im Lockdown oder im Fall des Home Office. Macht Krisenkommunikation daher zur Chefsache und holt die von euch geführten Mitarbeiter ab – lasst sie keinesfalls mit ihren Sorgen und Ängsten alleine. Macht klare Ansagen zur Situation und gebt die Richtig vor, wo die Reise hingehen soll. Zeigt unbedingt auch das Licht am Ende des Tunnels auf. Der Weg wird kompromisslos von euch vorgegeben und den Geführten sind auch Grenzen bzw. Folgen aufzuzeigen, was passiert, wenn diese Marschrichtung nicht eingehalten wird. Umgekehrt ist es jedoch sehr wichtig, den Geführten Mitgestaltungsmöglichkeiten in der Umsetzung in ihrem Bereich zu ermöglichen. Dies fördert wiederum die Identifikation mit der Tätigkeit und gib jedem im Team das Gefühl, ein Teil der Success-Story zu sein. Eure Mitarbeiter werden es euch danken, werden bereits sein auch harte Maßnahmen, die sie persönlich betreffen mitzutragen, da sie den Sinn verstehen und euch das Vertrauen entgegenbringen werden, dass ihr sie aus dieser Situation „mit einem blauen Auge“ herausholt, sodass sie mit euch zusammen wieder in den „sicheren Hafen“ zurückkehren werden können.


Langfristige Ziele geben die grobe Richtung vor und definieren wo die Reise hingehen soll. Diese Kommunikation dieser langfristigen Ziele ist wie bereits beschrieben wichtig, um dem Mitarbeiter Angst zu nehmen und Hoffnung auf eine baldige Lösung – der aus seiner Sicht beängstigenden Situation – zu vermitteln. Kurzfristige Ziele hingegen, haben einen direkten Einfluss auf das tägliche Verhalten des Teams und jedes einzelnen Mitarbeiters. Definiert kleinere, leicht messbare (!) Ziele für jedes Team bzw. in weiterer Folge jeden einzelnen Mitarbeiter. Diese Ziele sollten SMART sein: spezifisch (konkrete Kriterien), messbar (klare Vorgaben), aktiv beeinflussbar (erreichbar), relevant (motivierend) und terminiert (zeitlich klar abgegrenzt). Zählt keinesfalls Arbeitsstunden, sondern vielmehr die Ergebnisse und überprüft den Fortschritt in regelmäßigen (kurzen) Abständen. Dies ist insbesondere in Zeiten des Home Office ein äußerst relevantes Thema. Viele Manager haben Angst, ihre Mitarbeiter würden nicht genug Zeit in ihre Arbeit von zuhause aus investieren. Einem Leader ist es egal, wie viel Zeit investiert wird. Er vertraut den geführten Personen und interessiert sich ausschließlich für das Arbeitsergebnis!


Schafft ihr es, mit der beschriebenen Krisenkommunikation und zielorientierten Arbeitsorganisation den von euch geführten Personen die Angst zu nehmen und euch vertrauen zu schenken, dass ihr sie aus der misslicher Lage führt, werden sie keine Notwendigkeit mehr sehen, sich den ganzen Tag mit deren Situation zu beschäftigen, negative Gedanken auf deren Motivation wirken zu lassen und werden im Gegenteil ihre Produktivität steigern und die Loyalität euch und dem Unternehmen gegenüber erhöhen.


Es ist unmöglich vorherzusagen, wie lange die aktuelle Situation andauern wird. Was wir jedoch heute schon wissen ist, dass COVID19 massive Auswirkungen auf unseren Arbeitsalltag und die Arbeitsorganisation hat und haben wird. Nach einem solchen Einschnitt ist es unwahrscheinlich, dass wir je zur vorherigen Normalität zurückkehren werden. Ihr könnt aber sicherstellen, dass die Veränderungen, die sich positiv ausgewirkt haben, nicht nur als vorübergehende Krisenreaktion, sondern als langfristige Verbesserung unseres Arbeitslebens angenommen werden und nach dieser Krise einen Wettbewerbsvorteil für euch und euer Team darstellen werden.


Interessante Literatur zu diesem Thema:


Durch die Krise führen: Die transformative Kraft einer Pandemie



Autor Andreas Seitz


· Taschenbuch : 84 Seiten

· ISBN-10 : 3658310243

· ISBN-13 : 978-3658310240

· Größe und/oder Gewicht : 14.81 x 0.46 x 21.01 cm

· Herausgeber : Springer Gabler; 1. Aufl. 2020 Auflage (4. August 2020)

· Sprache: : Deutsch

Führen in Krisen- und Umbruchzeiten: Wie Sie Ihre Mitarbeiter motivieren und fit für die Zukunft machen


Autor Jürgen W. Goldfuß


· Taschenbuch : 140 Seiten

· ISBN-10 : 3658052082

· ISBN-13 : 978-3658052089

· Größe und/oder Gewicht : 16.79 x 0.81 x 24 cm

· Herausgeber : Springer Gabler; 2., durchgesehene Aufl. 2015 Auflage (21. April 2015)

· Sprache: : Deutsch