„New Work“: Buzzword oder fester Bestandteil unseres Arbeitsalltags?

Aktualisiert: 21. Feb.

Gerade durch die uns nun seit bereits fast zweieinhalb Jahren begleitenden Corona-Pandemie ist vieles aus unserem „alten Alltag“ auf den Kopf gestellt worden, eingefahrene Muster sind oftmals verworfen worden und alternative Konzepte zum „New Normal“ geworden. Doch was genau hat es mit dem Begriff „New Work“ an sich? Handelt es sich bei diesem Konzept wirklich um etwas derart Neues und welche Veränderungen ergeben sich aus „New Work“ für unseren Arbeitsalltag? Jeder hat den Begriff bereits mindestens einmal gehört, aber nicht viele können ihn richtig einordnen.



Der Begriff „New Work“ ist älter, als man denkt. Er geht auf den 2021 verstorbenen, deutsch-amerikanischen Sozialphilosophen, Anthropologen und Begründer der New-Work-Bewegung, Frithjof Bergmann und seine Forschungstätigkeit zum Freiheitsbegriff und der Annahme, dass das bisherige Arbeitssystem überholt sei, zurück. Die eigentliche Idee des „New Work“ war dabei politischen Ursprungs. In den Jahren 1976 bis 1979 unternahm Bergmann zahlreiche Reisen in Länder des damaligen „Ostblocks“. Dort kam Bergmann zu der Erkenntnis, dass der Sozialismus keine Zukunft mehr hatte und begann sich mit dem Kapitalismus auseinanderzusetzen. Es entstand dabei die Idee, ein Gegenmodell zu entwickeln, die Bewegung der „Neuen Arbeit“ (englisch: „New Work“) war geboren. In den frühen 1980er Jahren gründete er in der Automobilstadt Flint in Michigan (USA) das „Center for New Work“ (deutsch: „Zentrum für Neue Arbeit“) und beriet dort General Motors. Seitdem sind einige solcher Zentren in verschiedenen Ländern entstanden und „New Work“ wurde zur Lebensaufgabe Bergmanns.


Das frühkapitalistische System der Lohnarbeit soll dabei langsam in „New Work“ überführt werden. Diese „Neue Arbeit“ soll laut Bergmann aus drei Teilen bestehen:


  • Eine Drittel Erwerbstätigkeit

  • Ein Drittel High-Tech-Selbstversorgung („Autarkie“) und smarter Konsums

  • Ein Drittel der Arbeit, die man wirklich, wirklich will


Die Kernwerte des „New-Work-Konzepts“ sind Autonomie, Freiheit und Teilhabe an der Gemeinschaft. „New Work“ soll neue Wege der Kreativität und Persönlichkeitsentwicklung bieten und damit etwas wirklich Wichtiges zum Arbeitsmarkt beitragen.


Entscheidende Entwicklungen, wie die Globalisierung, Digitalisierung und der demografische Wandel, sind wichtigste Bestandteile der Beobachtungen Bergmanns, aus denen „New Work“ und die „Arbeitswelt 4.0“ (Auswirkungen der vierten industriellen Revolution auf Arbeitsformen und Arbeitsverhältnisse) hervorgegangen sind. Der Kapitalismus brachte das kommunistische Manifest hervor, „New Work“ und „Digitalisierung“ haben Manifeste zur Neuordnung von Arbeit zur Folge. Einige Beispiele sind das Cluetrain Manifest, das Microsoft Manifest für ein neues Arbeiten, die DGFP Thesen für partizipatives Arbeiten und das Agile Manifest. Sie alle beschäftigen sich mit den Beziehungen zwischen Unternehmen, Mitarbeiter:innen und Kund:innen – und wie sich diese Beziehungen verändern.


Der weit gefasste Begriff „New Work“ beschreibt heute die neue Arbeitsweise der heutigen Gesellschaft, wie beispielsweise Crowdworking, Home-Office, den Sechs-Stunden-Arbeitstag, die Vier-Tage-Arbeitswoche, sowie agile Arbeitsformen, Co-Working und den Trend zur Solo-Selbständigkeit (Freelancing) als auch beispielsweise das Work-Life-Blending (Abgrenzung zu: Work-Life-Balance), welches zum Ziel hat, Arbeit und Privatleben miteinander zu verknüpfen. Arbeitszeit und Freizeit sollen demnach nicht mehr klar voneinander abgegrenzt sein. Durch diese Verschmelzung von Privatleben und Arbeit sollen Schuldgefühle abgebaut werden und die Arbeit flexibler und damit auch produktiver werden. Im Zuge des Work Life Blendings bieten Unternehmen zum Beispiel Gesundheits- und Freizeitangebote an und ermöglichen flexible Arbeitszeitmodelle wie Vertrauensarbeitszeit.


Heute ist „New Work“ schon längst Bestandteil unserer Arbeitswelt und ein Schritt zurück undenkbar. Insbesondere folgende Merkmale zeichnen die Neue Arbeit aus:


  • Interdisziplinäre Teams statt homogener Silos / Abteilungen

  • Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung

  • Innovation statt Tradition

  • Führung 4.0


Wer ohne Planung und Vorbereitung auf den New-Work-Zug aufspringt, läuft Gefahr, relativ schnell zu scheitern. Denn mehr Flexibilität, Eigenverantwortung und Agilität erfordern Veränderungsprozesse, nicht nur bei Arbeitnehmer:innen, sondern auch in der Organisation. Werden die neuen Arbeitsformen jedoch gut umgesetzt, bieten sie viele Chancen und Raum für Selbstverwirklichung und erhöhte Produktivität.