The Window of Opportunity: Die Corona-Krise als Chance nutzen

Aktualisiert: 12. Nov. 2020

Jede Krise kann auch als Chance gesehen und genutzt werden. In diesem Blog-Post erfährst du 5 Tipps, wie auch Du die Corona-Krise als Chance nutzen kannst.





„Die Krise als Chance nutzen“: Es mag wie ein billiger esoterischer Schlachtruf klingen – ist es aber letztendlich nicht. Wenn Du den Eisberg vor deinem Schiff siehst (ich gehe mal davon aus, dass du ihn zumindest kurz vor der möglichen Kollision siehst), hast du ebenfalls mehrere Möglichkeiten, dich der Situation mental zu stellen und differenziert zu handeln. Vielleicht kommst Du sogar stärker und erfahrener aus dieser Situation.

Die SWOT-Analyse (englisches Akronym für Strengths (Stärken), Weaknesses (Schwächen), Opportunities (Chancen) und Threats (Risiken)) ist ein, in den 1960iger Jahren von der Harvard Business School entwickeltes, Instrument der strategischen Planung. Ein – aus heutiger Sicht – eigentlich „altes“ Werkzeug um das Umfeld von Unternehmen zu analysieren und daraus die richtigen strategischen Schritte ableiten zu können, zeigt uns jedoch bereits in ihrem Namen, dass jedes „T“ auch ein dazugehöriges „O“ hat. Also ein potenzielles Risiko kann zugleich auch eine Chance sein. Welcher der beiden Buchstaben eine stärkere Ausprägung findet, ist lediglich von der Kenntnis der beiden anderen Buchstaben „S“ und „W“ und dem Umgang mit diesen abhängig. Ich habe der ganzen Thematik zudem noch eine zeitliche Ebene zugeführt, die ich in diesem Zusammenhang – vielleicht etwas zweckentfremdet - als „Windows of Opportunity“ bezeichnet habe. Das ist jener Zeitraum, in dem sich das „Fenster“ öffnet und in dem Maßnahmen ergriffen werden können, um ein gewünschtes Ergebnis zu erzielen, bevor es sich wieder schließt und die Maßnahmen nicht mehr greifen oder nicht zum gewünschten Erfolg führen. Dieses Konstrukt ist meiner Meinung nach nicht nur auf Organisationen, sondern auch auf Personen und Personengruppen anwendbar.

1) Kühlen Kopf bewahren

Krisensituationen verursachen stets eine gewaltige Menge Stress. Das hohe Maß an Unsicherheit über die wirtschaftliche Zukunft, möglicher Weise sogar die Bedrohung von Leben und Gesundheit, wirkt beängstigend und macht rationale Denkweisen und die sich daraus abzuleitenden Entscheidungen schwierig. Zudem sind Menschen neugierig (ich manchen Fällen fast „sensationsgeil“) und saugen Katastrophenmeldungen auf, um sie möglichst vielen anderen erzählen zu können. Das machte sich bei den beiden Krisen, die ich bis dato „erleben“ durfte, stets dadurch bemerkbar, dass Medien den Konsumenten beinahe im 10-Minuten-Takt mit neuen Negativnachrichten der Superlative versorgten. Die Konsequenz war eine zusätzliche Welle an Panik, die rein psychologischer Natur ist und keinesfalls etwas mit einer rationalen Auswertung der Krisensituation zu tun hat! Die Angst darf – auch wenn es oftmals schwer fällt - nicht Überhand nehmen und die rationalen Denkmuster bestimmen. Es gilt daher Gewissheit und Sicherheit zu suchen und geführten Mitarbeitern zu vermitteln. Dies kann etwa durch Visualisierung der positiven Zukunft nach Absolvierung der Krisensituation oder durch andere Lebensbereiche, die nicht von der aktuellen Krisenlage betroffen sind (z.B. die Familie), erfolgen.

2) Mental und körperlich fit bleiben

Auch wenn nun viele meiner Leser denken werden, dass die seelische und körperliche Fitness ja ohnehin selbstverständlich ist, ist sie es leider nicht. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwierig es oftmals als Unternehmer ist, die eigene Balance zwischen beruflicher Auslastung und einem gesunden Lebensstil zu finden. Ich habe diesen Punkt hinzugezogen, da Krisensituationen unter hoher Belastung auch die kleinsten Probleme, die in „normalen Zeiten“ nicht auftauchen würden an die Oberfläche bringen. Nur wenn Du selbst fit bist, kannst Du auch anderen helfen. Denke an die Ansage in Flugzeugen, die dich vor jedem Flug darauf hinweisen, im Falle eines Druckverlustes in der Kabine zunächst die eigene Maske anzubringen, bevor man Mitreisenden und Kindern hilft. In Krisenzeiten nehmen extreme persönliche Belastungen zu: Liquiditäts- und Kreditengpässe, Umsatzeinbrüche, Kurzarbeit bei gleichzeitigem Erfordernis, qualifizierte Mitarbeiter zu halten und Ergebnisse zu liefern, sowie die Frage, wie sich die Krise auf die eigene Existenz auswirken wird. All dies führt zu Stress, den es physisch und psychisch gesund zu überstehen gilt. Das sollte man sich aktiv vor Augen führen und idealerweise bereits vor der Krise anfangen, an sich selbst zu arbeiten und eine eigene mentale und körperliche Fitness herzustellen. Es ist letztendlich keine Frage der Zeit, sondern der Priorität!

3) Zahlungsfähig bleiben

Egal ob im privaten oder geschäftlichen Bereich ist die Zahlungsfähigkeit ein absolut kriegsentscheidender Faktor und kann sowohl Stärke als auch Schwäche im Sinne der oben beschriebenen SWOT-Analyse sein, je nachdem ob sie vorhanden ist oder nicht. Grundsätzlich gilt es immer die eigenen Stärken zu stärken und lediglich die tödlichen Schwächen zu eliminieren. Sollte man in die Versuchung kommen in einer Krise sämtliche Schwächen beseitigen zu wollen, wird man die Prioritäten aus den Augen verlieren und scheitern. Die Zahlungsunfähigkeit ist jedoch definitiv eine solche tödliche Schwäche und muss daher eliminiert werden. Auch wenn es der eine oder andere nicht glauben wollen wird, aber es sind auch in dieser Krise ausreichend Finanzmittel vorhanden. Der Bottleneck ist vielerorts nicht die Liquidität, sondern die fachlich und persönlich gut ausgebildeten Talente und innovative Geschäftsideen. Es sind die Fonds, die Banken, die Venture Capitalisten und Business Angels, Family Offices und andere florierende Unternehmen, die ihr Geld veranlagen wollen bzw. sogar müssen. Nicht zuletzt ist auch der Staat daran interessiert Finanzmittel in Krisenzeiten zur Verfügung zu stellen, um Arbeitsplätze zu sichern und Kaufkraft (bzw. zukünftige Steuereinnahmen) zu wahren.


Entsprechende Finanzmittel sollten idealer Weise bereits vor der Krise aufgestellt werden, um ausreichende Reserven für eben diese Krisenzeiten parat zu halten. Sollte dies – aus welchem Grund auch immer – nicht erfolgt sein oder möglich gewesen sein, ist es noch immer nicht zu spät. Die Refinanzierung in Krisenzeiten ist mit Sicherheit schwieriger als in Zeiten wirtschaftlicher Hochkonjunktur, aber jedenfalls ein mögliches Unterfangen. Eins muss jedoch klar sein, die Sicherstellung der Zahlungsfähigkeit ist nicht die Bringschuld des Staates oder der Banken, es ist die Holschuld der Unternehmer und Manager.

4) Bestehenden Geschäftsprozesse überdenken

Chancen stellen Möglichkeiten dar, durch neue und/oder verbesserte Produkte und Dienstleistungen und/oder technologische Innovationen, vorhandene und/oder neue Kunden zu gewinnen oder Stammkunden zu halten. Krisen öffnen die „Windows of Opportunities“, da unter dem hohen wirtschaftlichen, technologischen bzw. medizinischen oder gesellschaftspolitischen Druck viele bis dato bestehende und gut etablierte Produkte, Routinen und Prozesse in Frage gestellt werden müssen. Die Krisen wirken daher wie ein Katalysator und beschleunigen Innovation und stoßen Veränderungen an. Entwickler werden ermutigt, neue Wege zu gehen, Einkaufsabteilungen stehen mit großen Vorgaben unter Druck. Sonst übliche Trägheitsmomente in Unternehmen werden überwunden, weil die Notwendigkeit für Veränderung gekommen ist.


Um lediglich ein prominentes Beispiel zu nennen: Wir schreiben das Jahr 2007, also das Jahr der herannahenden globalen Finanzkrise. WG-Bewohner auf der Westküste der USA verlieren einen ihrer Mitbewohner und sein Zimmer blieb leer. Die verbleibenden beiden Mitbewohner wollen die WG nicht aufgeben und gebären die Idee, man könnte das frei gewordene Zimmer ja kurzfristig untervermieten. Und weil während einer wichtigen Design-Konferenz alle Hotels ausgebucht sind, übernachteten drei Designer in der Wohnung – das brachte ihnen 1.000 Dollar. Basierend auf dieser einzigen Erfahrung haben die Drei sich ein paar Monate zusammengesetzt und beschlossen, das auch für andere Menschen möglich zu machen. Eine Übernachtung in einer Wohnung zu finden sollte so einfach sein, wie ein Hotelzimmer zu buchen. Anfang 2008 glaubte keiner so recht an die Idee und das Funding gestaltete sich als äußerst schwierig und lief zunächst schleppend an. Knappe 10 Jahre später erwirtschaftete das damalige Startup airbnb einen Umsatz von 2,6 Mrd. USD und bietet mehr als 5 Millionen Unterkünfte auf der ganzen Welt an. In der letzten globalen Krise wurden auch prominente Unternehmen wie z.B. Zalando, Uber oder WhatsApp geschaffen.

5) Kurs halten und aus Fehlern lernen

Nachdem die Marschrichtung aus der Krise definiert wurde, muss diesem Weg gefolgt werden, auch wenn es partielle Rückschläge geben wird, oder unerwartete weitere Herausforderungen auf einen zukommen werden.

Die ernüchternde Nachricht zum Schluss: nach der Krise ist vor der Krise. Es ist daher notwendig nach einer erfolgreich überstandenen Krisensituation, die erlebte schwierige Phase privat mit deinen Mitmenschen oder beruflich im Team zu reflektieren: Welche Problemlösungen ergaben konstruktive Wege durch die Krise? Was hast du während dieser Krisensituation gelernt? Denk daran: Krisen bieten immer auch Möglichkeiten zur persönlichen Weiterentwicklung und können auch positive Veränderungen mit sich bringen!

Tomas Jiskra ist Founder und CEO des IT Personaldienstleister TTP. Mehr Informationen zu TTP findest Du hier